Die Auswertung unserer Bookings für das Jahr 2021 ergab, dass lediglich 16,3% der extern gebuchten Künstlerinnen und Künstler nicht cis männlich waren. Rechnen wir die Besetzungen durch Residents und andere Locals dazu, erreichten wir sogar nur einen Wert von 5,5%. Das Geschlecht – ob cis oder nicht – war nie ein Kriterium für ein Booking, Hauptsache die musikalische Qualität stimmte – doch damit machten wir es uns ein wenig zu einfach. Es ist recht easy sich nicht mit einem gesellschaftlichen Problem auseinanderzusetzen, nur weil man offensichtlich nicht betroffen zu sein scheint. Wir hatten bezüglich der Diversität offensichtlich nicht den nötigen Fokus darauf, diese auch von uns selbst einzufordern, und sie damit innerhalb der Szene auch entsprechend zu fördern. Mit Diversität kein Problem zu haben ist nicht genug – zumindest nicht, wenn man einen Club betreibt. Clubs sind zentraler Dreh- und Angelpunkt für unterschiedliche Charaktere, verschiedene Geschlechter, Glaubensrichtungen, Herkünfte, und und und – wo, wenn nicht hier? Wir können nicht weiterhin „nehmen was angeboten wird“, sondern hegten schon immer den Anspruch, allen Menschen die gleichen Chancen zu bieten. Diesem Anspruch sind wir nicht ausreichend gerecht geworden. Für die Mehrheit ist es einfach sich zu zeigen und Angebote für sich zu beanspruchen – weil sie den gesellschaftlichen Normen entsprechen. Weil sie nirgendwo anecken. Weil man es eben so kennt. Aber es gibt eben auch Menschen, die sich aufgrund ihrer zahlenmäßigen Minderheit nach wie vor missverstanden, und nicht selten sogar diskriminiert fühlen. Wir können nicht erwarten, dass jene von sich aus lautstark gezielt Plattformen fordern, wenn deren geschlechtliche Diversität schon in der Zivilgesellschaft nur mit Murren und Knurren angenommen wird. Und das ist noch der beste Fall. Es reicht nicht das Frau und Herr in einem Kontaktformular durch ein Divers zu ergänzen – Diversität muss nicht nur bürokratisch der Weg geebnet, sondern sie gelebt, gefördert und angehört werden.