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Geheimclub: Stream.

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Geheimclub: Closed.
Statement #1, Freitag 13.03.2020, 10:00

Hätten wir statt eines Clubs nicht lieber eine Bank eröffnen können? Die Geheimbank? Dort könnte man den ganzen Tag mit Ressourcen – und damit dem Leben anderer – mehr oder weniger erfolgreich spekulieren, große Tower bauen, sich trotz tiefroter Zahlen Millionenboni auszahlen, und wenn die Kacke richtig am Dampfen ist, kommt Gevatter Staat, und zahlt die Zeche. – Selbst dann, wenn man ihn erst kürzlich um einige Milliarden geprellt hat. Cum ex, Baby! Falls jener nicht spurt, droht man einfach damit tausende unschuldige Angestellte auf den Arbeitsmarkt regnen zu lassen, sodass es dann eben auf einem anderen Weg zu einem Problem der Allgemeinheit gemacht wird. Über ein paar Umwege werden die ganzen daraus resultierenden Missstände beispielsweise einfach den Migranten in die Schuhe geschoben, und der Pöbel ruft: „Ja, das habe ich doch schon immer gesagt!“.

Das ist Kapitalismus, und das ist unser Problem.

Jetzt sind wir zum Glück keine Bank, kein Automobilkonzern, kein Immobilieninvestor, sondern ein Club. Eine von nur wenigen wirklich ernst genommene Nische, ein Ort, der laut der Obrigkeit – wenn überhaupt – nur peripher irgendwie etwas mit Kultur zu tun hat. Keine Unterstützung, keine Hilfen, und – das ist von allem am schlimmsten – keinerlei Wertschätzung. Wir sind einfach ein Ort, an dem Bekloppte für andere Bekloppte viel zu laut fürchterliche Musik machen.

[Das Folgende gilt für fast jeden Club]:

Wir sind aber auch die, die Woche für Woche in völliger Eigenverantwortung für einen sehr wichtigen Teil der Gesellschaft den Betrieb von Orten aufrechterhalten, ohne diese eine Stadt nicht lebenswert wäre. Wir sind die, die sich selbst organisieren, um Menschen, denen zu tausend Unrecht getan wird, zu helfen, für sie auf die Straße zu gehen, und für jene Perspektiven zu organisieren. Nicht immer im Großen, auch im Stillen, ohne Publicity. Homosexuelle, Transgender, Migranten und viele, viele mehr, die aufgrund des Nichtstuns derjenigen, die etwas tun könnten und es oben drein auch deren gottverdammte Aufgabe wäre, in der Schusslinie irgendwelcher Idioten stehen.

Aber das reicht nicht. Nun sind es auch wir, die sich aus Angst um die wirtschaftliche Existenz seit Tagen mit der Verbreitung dieses Virus auseinandersetzen, die potentiellen Folgen kalkulieren und täglich darauf hoffen, dass das Telefon klingelt und jemand von „da oben“ mal eine „wenn, dann“ Situation mit uns bespricht. Nichts ist passiert. Wartet man etwa darauf, dass wir eigenverantwortlich die Notbremse ziehen, damit am Ende gesagt werden kann: „Hilfe? Wieso? War doch eure Idee!“

Herzlichen Glückwunsch, ihr habt es geschafft. Der Geheimclub ist sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung sehr wohl bewusst, schließt ab sofort seine Pforten auf unbestimmte Zeit.

An dieser Stelle ein Appell an den gesunden Menschenverstand: Orte und Veranstaltungen, an denen viele Menschen zusammenkommen, werden nicht einfach so geschlossen oder abgesagt. Es tut jedem weh, und höchstwahrscheinlich werden viele Clubs und Veranstalter diesen Schritt nicht überleben. Natürlich ist unsere Zielgruppe mitnichten die Risikogruppe des Covid-19 auslösenden SARS-CoV-2, aber auch unsere Besucher haben Kontakt zu dieser, oder treffen nach der Party jemanden, der zu dieser Risikogruppe Kontakt hat. Wir sind mitnichten naiv, daher geht es auch gar nicht darum das Virus zu stoppen, sondern allein darum dessen Verbreitung zu Entschleunigen. Nur so ist ein sprunghafter Anstieg hilfebedürftig Infizierter zu verhindern, der unser Gesundheitssystem überlasten würde. Verteilen sich problematische Neuinfizierungen langsamer, und damit über einen längeren Zeitraum, kann jedem bestmöglich geholfen werden. Und das ist unserer aller Mission!

Es ist an der Zeit, dass jeder die eigenen Interessen nach hinten stellt, egal wie viel Geld dadurch verloren geht. Nur das Leben an sich ist wertvoll. Jedes Leben, nicht nur das eigene! Organisiert keine Partys, zu denen sich Leute treffen, die sonst in einen Club gegangen wären. Die von so vielen Clubs und Veranstaltern gegebenen Opfer zum Wohle der Allgemeinheit wären umsonst. Haltet euch einfach ein paar Wochen zurück, gebt aufeinander acht, und wenn der ganze Spuk vorbei ist, sind wir Clubs wieder für euch da. Versprochen.

Wer uns unterstützen möchte, kann dies hier tun: http://geheimclub.de/spenden

Geheimclub: Closed.
Statement #2, Freitag 20.03.2020, 18:00

Eine Woche ist es nun her, dass wir uns aus einem Pflichtgefühl der Allgemeinheit gegenüber dazu entschlossen haben, das vergangene Wochenende nicht noch „mitzunehmen“, nur weil man es zu diesem Zeitpunkt noch nicht explizit verboten hat. Wir bereuen diese Entscheidung zu keiner Sekunde, es war richtig und vor allem auch nötig diesen Schritt zu gehen. Einer der Djs des ausgefallenen Wochenendes wurde zwischenzeitlich positiv auf das Virus getestet, nicht auszumalen, in wie vielen Infektionsketten unser Club aufgetaucht wäre. An dieser Stelle verneigen wir uns auch vor allen anderen, die bereits vor dem vergangenen Wochenende aus freien Stücken die Notbremse gezogen, und unter Inkaufnahme horrender Verluste hunderte potentieller Neuinfektionen entweder verhindert, oder zumindest weiter hinausgezögert haben.

Wir haben diese Woche von dunkel bis dunkel im Büro verbracht, unzählige Stunden in Warteschleifen gehangen, gefühlt hunderte Mails geschrieben, dieses und jenes geregelt, um die drohende Bugwelle schon im Vorfeld etwas zu glätten. Problematisch an dieser ganzen Misere ist vor allem, dass niemand genau weiß, wie lange das kulturelle Leben wirklich auf Eis liegen wird. Offiziell ist es der 20. April, orientieren wir uns jedoch an überregionalen Regelungen, setzen wir noch gute zwei Monate oben drauf. Ziemlich hart, und es ist und bleibt so: Jede Veranstaltung die ausfällt ist unwiederbringlich verloren. Es strömen schließlich mitnichten bei einer beispielsweisen Wiedereröffnung im Juni über einen Zeitraum X plötzlich dreimal so viele Gäste in den Club und vertrinken viermal so viel an der Bar. Woher sollen diese Massen plötzlich kommen? Auch wir brauchen daher Unterstützung, um diese Zeit zu überstehen.

Auf vielfachen Wunsch haben wir nach dem letzten Freitag eine Spendenseite ins Leben gerufen, und viele sind unserem bis dato sehr leisen Hilferuf gefolgt. Danke, danke, danke! Wir werden jede Nachricht, jedes Hilfsangebot und jede Spende beantworten, lasst uns aber noch etwas Luft zunächst das Notwendige zu regeln. Für all jene, die uns noch unterstützen wollen, geht es hier entlang:

http://geheimclub.de/spenden

Wir sehen positiv in die Zukunft, gemeinsam kann uns nichts aufhalten! Real techno never sleeps. Real techno never dies.

Trotz diesem ganzen wirtschaftlichen Drumherum heißt das Gebot der Stunde dennoch nicht primär „Club retten“, sondern Gesundheit. Eure Gesundheit, und die eurer Liebsten. Gebt aufeinander Acht, meidet Risiken, ihr selbst seid vielleicht nicht gefährdet, aber andere – und auch die haben geliebte Menschen, die sie nicht leiden sehen, oder gar verlieren bzw. verlassen wollen. Solidarität und Besonnenheit sind wichtig, aktuell mehr denn je.

[Offtopic] Doch neben Dank, Optimismus und Appellen wird an dieser Stelle auch mal die Keule geschwungen, denn für einige scheint die flächendeckend brachliegende Clublandschaft die große Stunde eingeläutet zu haben. Nichts gegen Subkultur und inoffizielle Raves, aber ist der Zeitpunkt vielleicht nicht etwas ungünstig gewählt? Noch am Freitag gab es nach unserem ersten Post zur aktuellen Lage direkt drei Anfragen:

1] Ihr habt zu, können wir den Club mieten? Wir bleiben auch unter 200 Personen. 2] Ihr habt zu, können wir die Dj Technik für einen Rave haben? 3] Ihr habt zu, können wir die Dj Technik UND die Anlage UND euren Generator für einen Rave haben?

Selbstverständlich wurden alle Anfragen abgelehnt, verhindern konnten wir es damit leider nicht. Kurz zusammengefasst: Wir Clubs machen also alle dicht, bangen um unsere Existenz, und man feiert einfach illegal? Hauptsache Party? Hauptsache irgendwo auflegen? Hauptsache ICH, ICH, ICH? Klar, es ist (bis dato) ein freies Land, und ihr konntet (bis dato) selbst entscheiden, ob ihr einen Rave veranstaltet oder nicht, und auch eure Besucher konnten (bis dato) selbst entscheiden, ob sie dort hingehen oder eben nicht. Problematisch ist nur, dass deren Kontaktpersonen, und auch alle weiteren in einer endlosen Kette eben nicht entscheiden durften, ob ihr euch damit nicht nur über eindringliche Empfehlungen, sondern auch über ganze klare Regelungen hinweggesetzt habt. Je länger ihr diesen Egotrip fahrt, desto länger dauert diese Misere an, und je länger dieser Misere andauert, desto mehr Clubs werden von der Bildfläche verschwinden. Ihr tragt „Kultur“ im Namen, und setzt selbige gesamtheitlich mit grenzenlosem Egoismus flächendeckend aufs Spiel. Es gibt an dieser Stelle, außer einem Wort, das alles in allem sehr gut zusammenfasst, leider nichts weiter zu sagen, außer: Idioten!